Homo rudolfensis

homru01Der älteste Nachweis seiner Existenz, ist ein Unterkiefer, der auf ein Alter von 2,5 Millionen Jahre datiert wurde, durch das Hominid Corridor Research Project (HCRP). Homo rudolfensis war von seinem Bewegungsapparat her menschenähnlicher, als Homo habilis, aber seine Zähne hatten mehr Ähnlichkeit mit jenen der Australopithecinen.

Homo rudolfensis und Homo habilis waren beide Zeitgenossen von Homo erectus. Homo rudolfensis wurde nach dem “Rudolfsee” benannt. Der ursprüngliche Name “Rudolfsee” wurde vom ungarischen Graf Sámuel Teleki von Szék, bei einer Expedition im Jahre 1887 als neu entdeckter See so benannt, zu Ehren des österreichischen Kronprinzen Rudolf. Dieser See wurde später nach einem Volk umbenannt, das an diesem See siedelt; das Volk der Turkana.

Somit handelt es sich beim Rudolfsee und dem Turkanasee, um ein und den selben See. Was aber auch bedeutet, dass Homo rudolfensis und Homo erectus nicht nur Zeitgenossen, sondern auch Nachbarn waren.

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Homo rudolfensis lebte vor 2,5 Millionen Jahren bis etwa vor 1,8 Millionen Jahren in Malawi, Kenia und in Äthiopien (Afrika).

 

Die Entdeckung

In Koobi Fora in Kenia wurde bei Grabungen unter der Leitung von Richard Leakey, von Bernard Ngeneo die Fragmente eines Schädel ausgegraben. Dieser Fund sollte in der Welt für grosse Schlagzeilen sorgen. Der zusammengesetzte Schädel hatte verblüffende Ähnlichkeiten mit dem eines Homo habilis. Nur die Zähne waren anders. Man hatte Homo rudolfensis entdeckt.

 

Funde von Homo rudolfensis

 

mala UR 501 – Homo rudolfensis
Friedemann Schrenk und Tim Bromage folgten ihrer Vermutung, dass zwischen den Fundorten Süd-, und Ostafrikas die Spuren einer Wanderbewegung zu finden sein könnten und sie lagen mit dieser Annahme goldrichtig. In diesem Gedankengut liegt auch die Idee der Gründung zum “Hominid Corridor Research-Projekt”, dem “Hominiden-Korridor-Forschungs-Projekt”. 1991 entdeckten sie die Bestätigung der vermuteten hominiden Wanderfreudigkeit. Tyson Msikia fand in Uraha, einem Dorf in Malawi, den Unterkiefer eines Homo rudolfensis. Dieser Fund ist mit seinem stolzen Alter von 2,5 Millionen Jahren der bislang älteste Fund eines Angehörigen der Gattung “Homo”.

 

koobiforaHomo rudolfensis KNM-ER 1470
Richard Leakeys Idee, dass sich auf der Halbinsel Koobi Fora in Kenia eine wahre Altmenschen-Fossilien-Fundgrube befinden könnte, bestätigte sich. Der Fund KNM-ER 1470 machte den bis dahin noch unbekannten und eigenwilligen Forscher und sein Team auf einen Schlag bekannt. 1972 fand Bernard Ngeneo dieses Exemplar. Der Fund KNM-ER 1470 ist jener Schädel, der als neue Gattung “Homo rudolfensis” in die Geschichte eingehen sollte und welcher mitunter bis zum heutigen Tag für so manche Diskussionen sorgt. KNM-ER 1470 – war er ein Homo habilis oder doch ein Homo rudolfensis?

Nun dieser Fall ist wirklich kompliziert. Denn um die Gattung Homo rudolfensis, sowie um seinen “Vetter” Homo habilis ranken sich so einige Thesen.

These Nr. 1

These Nr.1 besagt, dass Homo rudolfensis eigentlich seit 1999 gar nicht mehr zu der Gattung “Homo” gehören würde, sondern als Australopithecus einzuordnen wäre, da er nach dem Ermessen einiger Wissenschaftler, den Anforderungen der Gattung “Homo” nicht entsprechen würde. Das Gleiche würde folglich für seinen Vetter Homo habilis zutreffen. Dann würde für Homo hablilis und Homo rudolfensis sozusagen eine “Namensänderung” fällig, nämlich “Australopithecus habilis” und “Australopithecus rudolfensis”. Jedoch….

These Nr. 2

…..dieser These stemmt sich innerhalb der Wissenschaftskreise wiederum eine andere These entgegen, nämlich: Dass es schon Homo rudolfensis gewesen sein könnte, der einst Afrika verliess und sich unabhängig vom afrikanischen Homo rudolfensis, ebenfalls zu einer Homo erectus Art weiter entwickelt haben könnte. Vor allem die Funde der Homo erectus Population im georgischen Dmanisi nähren diese These, zumal sich der georgische Homo erectus, anatomisch vom afrikanischen Homo erectus unterschied.

These Nr. 3

Doch da gibt es noch eine dritte These. Nämlich jene, welche besagt, dass es Homo rudolfensis nie gegeben hätte, sondern dieser im eigentlichen Sinne, ein Homo habilis gewesen sei. Und damit kommt wieder die These Nr. 2 ins Spiel: Denn dann wäre es natürlich Homo habilis gewesen, der einst Afrika laut dieser These verlassen hätte.
Nun hoffentlich wisst Ihr noch, wo Euch vor lauter Thesen der Kopf steht. Verwirrend. Gell? Homo rudolfensis… Sein… oder nicht sein? Das ist die grosse Frage.